Suicide-Snails

Samstag, Juli 30, 2016

Etwas erstaunt dachte ich gerade an die vielen, zum Teil erheblich grausam zugerichteten Leichen die meine Wege pflastern.

Bis ich mich aus gesundheitlichen Gründen entschied (nicht ganz freiwillig aber es ging nicht mehr) mich nicht mehr im Straßenverkehr hinter das Lenkrad eines Fahrzeugs zu quälen hatte ich dort schon einige kuriose Erlebnisse. Und ja, ich war jetzt nicht unbedingt der langsamste Autofahrer. Meine Fahrzeuge hatten immer genug unter der Haube, lieber immer etwas größer und mit allem Schnickschnack um mich angenehm zu bewegen. Lieber mal etwas älter aber dafür reichlich Leistung und Komfort und die Zahlen auf diesen komischen runden Verkehrsschildern mit rotem Rand waren eh nur Richtwerte bzw. gut gemeinte Vorschläge der Behörden.

Es ist auch gelegentlich mal was passiert aber alle Unfälle waren eindeutig auf die Blödheit der Unfallgegner zurück zu führen. Man könnte sagen, nur Sach- u. Blechschäden aber bis auf ein paar blaue Flecken kam niemand zu gesundheitlichem Schaden.

Nun fahre ich seit einigen Jahren selber nur noch ein handgetriebenes Modell der Firma Sopur und habe damit oft eine Spur des Grauens und der Verwüstung hinter mir gelassen, gerade zuhause im Garten bin ich ein wahrer Killer mit dem Fahrzeug.

Aber was soll ich machen, ich fahre z.B. im Dunkeln rückwärts aus der Tür auf die Terrasse um meine Havanna zu konsumieren und habe schon drei Schnecken halb oder ganz platt gefahren. Nach solanger Zeit müssen die blöden Viecher doch endlich mal begreifen dass ich weder hinten Augen habe noch sie im Dunkeln am Boden sehen kann.

Da drängt sich mir langsam der Verdacht auf, die Tierchen machen das mit Absicht. Meine über Alles geliebte Ehefrau bestätigte mir das kürzlich, sie hätte sogar als Fußgänger im heimischen Garten ähnliches Verhalten der Schnecken beobachtet. Selbst wenn sie für einige Minuten still lesend auf der Bank sitzt ist inzwischen die nächste blöde Schecke mit Schwung aus dem Gehölz gebrochen und unter ihren Schuh geeilt um beim Aufstehen schön breit zerdrückt zu werden.

Das wäre jetzt alles nicht so schlimm wenn das nicht immer so ein schleimiger Schweinkram wäre. Die Leichenteile und ihre Exkremente werden gelegentlich an Schuhsohlen oder Rollstuhlreifen klebend dekorativ in der Wohnung auf dem Bodenbelag verteilt. Am schlimmsten aus Sicht des geneigten Menschen mit Behinderungen sind allerdings zwischen Rollstuhlrad und Greifreifen eingeklemmte halb zermatschte schleimige Scheckenreste in die man herzhaft greift um Schwung zu holen für die Fortbewegung, ein Umstand der einem bei Eröffnung von Diagnosen verschwiegen wird.

Bedeutet das jetzt, dass die Ärzte bei solchen klar vorhersehbaren Selbstmordversuchen einfach weg gucken und das damit fördern, dürfen die das oder sollte es mit der Verordnung für Rollstühle zumindest Warnhinweise durch den verordnenden Arzt geben. Die Hersteller haben bisher auch keine entsprechenden Hinweise in die Bedienungsanleitungen mit aufgenommen, tolerieren also auch diese Art von tierischem Massenselbstmord.

Das Leben als Mensch mit Behinderungen hat bestimmt noch weitere Überraschungen auf Lager und bleibt damit natürlich spannend, kurzweilig und abwechslungsreich.