Kann man so blöd sein 2x den gleichen Fehler zu machen.
Was führt einen Bürger zu der Überlegung, ob die Mitgliedschaft in einem Verband eine für ihn sinnvolle Sache sei. Die Argumente liegen auf der Hand, gerade als chronisch Kranker und / oder Behinderter wurde man vermutlich schon öfter einfach verarscht. Sei es von Krankenkassen, Pflegekassen, Arbeitsagenturen, MdK und anderen Kostenträgern. Dazu die Aussicht auf ein möglicherweise vorzeitiges Ende des eigenen Erwerbslebens und die damit möglicherweise verbundenen Anstrengungen seine Rechte gegenüber Rentenkassen, Berufunfähigkeisversicherungen usw. durchzusetzen.
Betrachtet man nun die Hochglanzbroschüren und Webseiten der Sozialverbände findet man viele Zusagen über Unterstüzungen in gerade solchen Themen. So eine Rechtsberatung könnte ja möglicherweise mal richtig nützlich sein wenn es an Themen wie Pflegegrad, GdB oder EU-Rente geht. Dazu erschwinglich wirkende Preise, oft nur in Form von einstelligen Monatsbeiträgen zu finden, das ist so verlockend da sucht man oft schnell den Zugang.
Jetzt mal zur Praxis, vor einigen Jahren fielen wir auch drauf rein. Irgendein Nachbar ist immer in irgendeinem Ortsverband und redet gut zu, man unternehme viel, sei für einander da und sei immer gut beraten. Also gleich die volle Packung, eine Familienmitgliedschaft, Ehefrau, Mutter und ich. Nun glaube bitte niemand da ging irgendwas mit Überweisung, Dauerauftrag, Kreditkarte usw. wegen der Beiträge, nein diese Verbände bestehen auf eine Einzugsermächtigung, heute besser bekannt als Sepa-Mandat. Wer sich davon nicht abschrecken lässt dass der logische Nachfolger eines Reichsbundes ab sofort Zugriff auf sein Konto hat wird daraufhin recht bald mit schönen bunten Mitgliedsausweisen, Broschüren, Angeboten über kulturelle Veranstaltungen / Reisen und Versicherungsangeboten belohnt.
Alle sind glücklich, der Verband wächst und man hat das Gefühl nicht allein zu sein wenn z.B. Kostenträger anderer Meinung wie man selbst sind. Nach kurzer Zeit war es dann soweit, die Mutter brauchte rechtliche Beratung in Sachen Mobilität und die erste Enttäuschung waren die Öffnungszeiten der Rechtsberatung des Verbandes in unserer schönen Landeshauptstadt. Der dann folgende Besuch dort brachte uns kaum weiter, nur die Erkenntnis durch die Mitgliedschaft unnötig Geld zu verschwenden. Klar, wir kriegten regelmäßig gegen unseren Willen eine schöne Zeitung die wir auch ohne toten Baum hätten online lesen können, tolle Versicherungsangebote und fühlten uns wichtig weil es Mitgliederversammlungen mit Vorstandswahlen gab. Nur das Wichtigste, sinnvolle Rechtsberatung für lau, gab es nicht.
Also raus da, kündigen und Geld sparen. Wer jemals in diese Situation gerät und es trotz unverschämt langer Kündigungsfristen zeitig schaft zu kündigen möge an dieser Stelle unbedingt den freundlichen Service der Post nutzen: Einschreiben mit Rückschein! Das Geld für die Gebühren kann einen jetzt auch kaum noch Abschrecken, hauptsache weg da und raus. Oder lieber ein Ende mit Schrecken wie ein Schrecken ohne Ende.
Aber nach einiger Zeit, fortschreitender Behinderung und einigen negativen Erfahren wie die Kostenträger die Lügen von Politikern umsetzen kreisen die Gedanken wieder um das Thema. Da war doch noch so ein Verband, die haben (immer nach eigener Aussage) schon so viel bewegt und so vielen Menschen geholfen, die sind bestimmt die bessere Wahl. Um es kurz zu machen, es war mir nicht möglich das Beitrittsformular für Ehepaare auszufüllen:
- Das Feld Straße krieg ich hin, die Hausnummer wollen die wohl nicht.
- Für den Partner ist die Mitgliednummer des Hauptmitglieds einzutragen, ein Quiz?
- Drei Unterschriften, zwei sind klar aber der Führungstext bei der dritten ist unklar.
Abgesehen von einem dreistelligen Jahresbeitrag und dem Zwang eines Sepa-Mandats zog ich diesmal noch zeitig die Notbremse. Wer so ein Formular anbietet, dessen Rechtsberatung weckt keinerlei Interessse bei mir, im Gegenteil eine rechtliche Vertretung unserer Anliegen durch so einen Verband würde mir schlaflose Nächt bereiten. Die üblichen Versprechen über gemeinsame Aktivitäten, vorteilhafte Gruppenversicherungen und tolle Ausflüge für Mitglieder auf der Webseite des Verbands haben mich nur bestätigt:
Antwort zu meiner oben gestellten Frage, nein, eigentlich braucht man das nicht und wir bestimmt nicht.
Antwort zur Überschrift, ja das kann mal passieren, mir ist es diesmal nicht passiert.
Übrigens ist eine normale Rechtschutzversicherung die alle hier im Text genannten Themen abdeckt auch nicht wesentlich teurer, erlaubt aber in der Regel den Anwalt für Beratungen / Vertretungen selbst zu wählen.