Leben ohne Neurologen ist prima

Mittwoch, August 30, 2017

Im Februar 2014 hatte ich endgültig die Schnauze voll von den regelmäßigen Besuchen beim Facharzt. Vier mal im Jahr da antanzen, nur damit er mir ein Rezept für die Spritzen gibt und uns Dinge über MS erzählt die wir schon lange kannten.

Die Anfahrt war immer sehr aufwendig, die Praxis ist in keiner Weise barrierefrei und für zwei Personen war immer der halbe Tag weg, also auch beruflich völliger Blödsinn. Nur damit auch ja jedes Quartal meine Karte durchgezogen und eine Beratung fakturiert werden konnte war mir das inzwischen echt zu aufwendig.

Ich sehe regelmäßige Besuche bei Fachärzten zu Beginn bzw. nach eine Diagnose durchaus als gerechtfertigt, sinnvoll und notwendig an. Aber wenn man 10 Jahre immer das zu hören kriegt was man selber merkt, neumodische riskante Therapien vorgeschlagen kriegt die man sowieso ablehnt und die blöden Rezepte auch vom freundlichen Landarzt um die Ecke kriegen kann lohnt es sich nicht mehr die Quälerei auf sich zu nehmen.

Ja, Quälerei. Das ist nun mal so dass meine Mobilität im Lauf der Jahre schlechter wurde und ich auf Hilfe angewiesen bin um z.B. in das oder aus dem Auto zu kommen und den Rollstuhl zu verladen. Alles sehr aufwendig, die Alternative ist ein Krankentransport (mit Zuzahlung jeweils für Hin u. Rückweg) wie neulich mal zum Zahnarzt (Aua).

Dafür kriegt man dann die Leitlinien vorgebetet, Standardantworten wie “können Sie machen aber ist Ihre Entscheidung” oder “Sie könnten das nehmen und das tun aber das ist ihre Entscheidung”. Grundgütiger, das ist mir auch klar und das kann ich auch in Ruhe zuhause entscheiden.

Mal ein einfaches Gedächtnisprotokoll von einem der letzten Besuche als Beispiel:

Facharzt: “Wie geht es Ihnen?”

Ich: “Das Laufen wird anstrengender.”

Facharzt: “Ja, das sieht man.”

Ich: “Die Krankheit scheint nicht gerade still zu stehen.”

Facharzt: “Den Eindruck habe ich auch.”

Ja super oder, sinnvoller kriegt man kaum den Tag genutzt. Damit ist vorerst Schluß, der Landarzt versorgt mich sowieso mit Verordnungen für Physiotherapie, Hilfsmittel und Arzneien gegen Symptome und ein Neurologe sieht mich erst wieder wenn ich selber überhaupt keine Ideen mehr habe was zu tun ist. Und die Spritzerei ist ja inzwischen auch Schnee von vorgestern.