Spasmex nur noch ohne mich

Montag, Oktober 21, 2019

Seit Jahren ärgerte mich die Funktion meiner Blase. Es gab ständig ganz plötzlich Harndrang der praktisch nicht zu kontrollieren war. Eine neurologisch bedingte Störung die oft als Symptom meiner neurologischen Erkrankung auftritt und das Leben echt erschwert.

Da ich gerade eine Auszeit von meiner fremdbestimmten Tätigkeit aus gesundheitlichen begonnen hatte kam ich auf die saublöde Idee, mit einer verbreiteten Medizin mal zu versuchen meinen Blasenmuskel zu beruhigen.

Also rief ich in der Arztpraxis an um eine Verordnung zu bekommen und diese direkt zur Apotheke zu geben. Damit es schneller gehen sollte möge man das Rezept vorab per Fax dort hin senden.

Leider haben die freundlichen Mitarbeiter der Praxis das Fax an die eine und das Original an die andere Apotheke geschickt. Nach zwei Tagen hatte ich dann zwei Packungen in der Hand und keine Ahnung, wer das wie abrechnen konnte.

Morgens und Abends ein Drittel einer Tablette, das Experiment konnte also beginnen. Schon in Verlauf des ersten Tages merkte ich eine angenehme Verbesserung der Symptome. Ich wurde bei jedem auftretenden Harndrang ruhiger, hatte mehr Zeit in Ruhe die Blase zu entlehren.

Optimistisch began der zweite Tag wie möglichst immer mit einem gemeinsamen Frühstück zusammen mit meiner über Alles geliebten Ehefrau. Am späten Vormittag konnte ich dann in Ruhe meine Blase entlehren, ich wunderte mich etwas über die relativ geringe Menge aber hatte noch keine Ahnung was noch kommen würde.

Irgendwann kam der Harndrang wieder, ich versuchte meine Blase zu entlehren, aber es kam nichts. So ging es den ganzen Tag weiter, der Harndrang wurde heftiger, teilweise schmerzhaft, und es kam nichts.

Am späten Abend kam dann der herbeigerufene Arzt unseres Vertrauens und betrachtete das Elend (also mich).

Nachdem er mit hohem Kraftaufwand erfolgreich einen Katheter durch meine Prostata in meine Blase getrieben hatte sprudelte dann über ein Liter Flüssigkeit in den bereit gehaltenen Eimer und ich verspürte eine Erleichterung im Unterbauch.

Der Doktor machte mich dann noch drauf aufmerksam dass er beim Abtasten meines Bauches einen recht prall gefüllten Darm festgestellt hatte. Bei genauerem Nachdenken machte das für mich Sinn, auch mein Darm hatte seine Aktivität eingestellt.

Nach einer Woche mit Schlauch im Pimmel, Urin-Beutel unter dem Rollstuhl und 2-3 Einläufen hat sich dann glücklicherweise alles normalisiert. Meine über Alles geliebte Ehefrau zog den blöden Schlauch raus und die Blase war so freudlich dicht zu bleiben. Das entlehren funktionierte auch bald wieder ohne größere Flurschäden und das Spasmex landete im Müll.

Insgesamt hatte ich genau drei Drittel einer Pille verbraucht und dank der Arztpraxis zweimal die Zuzahlung geleistet, aber ich war froh dass der Spuk vorbei war. Die latente Blasenentzündung würde ich nun versuchen durch den Einsatz von Manose schonend zu therapieren und ich war wieder guter Dinge.